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Haus Lerchenhof

Haus "Lerchenhof" feierte 100 Jahre Ruth Ueberfeldt

zurück zur vorherigen Seite   |   Artikel am 28. September 2012 eingegeben

Die erste Erinnerung? Das war in Bremen, wohl noch im 1. Weltkrieg. Sie sieht das Haus mit der elterlichen Wohnung vor sich. Vorn ein Balkon, hinten ein Balkon. Und dann war da die Regenrinne, an der ihr Bruder immer heruntergerutscht ist. Ruth Ueberfeldt lacht: „Ausgebüxt ist er und weg! Aber er kam immer wieder zurück - über die Regenrinne." Länger als ein Menschenleben ist das her! Die Erinnerung der alten Dame beschreibt den Lebensbezirk eines kleinen Mädchens, das am 3. September 2012 hundert Jahre alt wird. „Ich habe es nicht erwartet", sagt die Jubilarin und zuckt mit den Schultern, „aber ich werde damit leben."

Dabei scheinen die Methusalem-Gene in ihrer Familie zu liegen. Eine Tante wurde 103 Jahre alt, die andere erreichte das 98. Lebensjahr. Die Nichte sinniert: „Die eine hat die andere unter der Fuchtel gehabt. Streitgespräche gab es jeden Tag. Das hält auf Trab."
Am 3. September 1912 in Essen geboren, verbringt Ruth den größten Teil ihrer Kindheit in der Freien und Hansestadt Bremen. Der Vater ist Oberingenieur eines norddeutschen Elektrounternehmens, die Mutter spielt Klavier. Die Familie wohnt in Schwachhausen. Ruth besucht das Lyzeum. „Das war schon ganz respektabel", erinnert sich Ueberfeldt, denn das Abitur war in den zwanziger Jahre für Mädchen noch eine Ausnahme.

1933 zieht die Familie nach Oberschlesien. Nach der Reifeprüfung beginnt Ruth eine Ausbildung zur Technisch-Medizinischen Assistentin und arbeitet am Institut für Wasserhygiene in Gleiwitz. Die junge Frau zeigt Talent und Ehrgeiz und wird „von Chef zu Chef" nach Saarbrücken versetzt. Doch der Krieg bringt eine vorläufige Zäsur. Ruth flüchtet mit ihren Eltern nach Eisenach in Thüringen. Um die Familie über Wasser zu halten, arbeiten Vater und Tochter in einem christlichen Schülerheim. „Eine lehrreiche Zeit", erinnert sich Ruth: „Mein Vater spielte Meister Hämmerlein und ich machte sogar das Diplom für Hauswirtschaft!" Einige Schüler des Marienstiftes schreiben Ruth Ueberfeldt bis heute.

Die Familie bleibt in der DDR, bis der „Sprung in den Westen" gelingt. Ruth geht erneut ins Saarland, findet Arbeit am Institut für Hygiene und Infektionskrankheiten in Saarbrücken, angeschlossen an das Robert-Koch-Institut Berlin. Dort unterrichtet sie junge chemische Assistentinnen. Keine Pinzette, kein Reagenzglas, das dem scharfen Blick der prüfenden Dozentin entgeht. "Die haben mich manchmal auf den Mond gewünscht", erinnert sich Ruth, „ich war ja ein Biest in Sachen Kontrolle. Trotzdem haben sie mich angenommen und begriffen, was dahinter steckt." Auch aus dieser Lebensphase bestehen Kontakte und Brieffreundschaften.

Zeit für Hobbys? Zeitweise ein kleiner Hund, etwas Leichtathletik. Immerhin Reisen nach Moskau, Italien und zu Verwandten nach Chile. Und dann sind da ja die alten Tanten, die die Nichte bis zu ihrem Tode pflegt. Über 40 gemeinnützige Vereine unterstützt Ruth Ueberfeldt, spendet größere Summen, wenn es ihr wichtig erscheint. Großzügigkeit bei eigener Sparsam¬keit? Ruth winkt ab und lacht: „Was mir im Leben zufällt, das muss ich machen, das kann ich nicht zurückweisen."

Nach fast 100 Jahren zieht es Ruth zurück in ihre Heimat. Der Sohn ihres einzigen Bruders organisiert den Umzug in das Haus „Lerchenhof". So gewinnt Ruth einen unmittelbaren Anschluss an die große Familie ihres Neffen, erfährt herzliche Aufnahme, bekommt fast täglich Besuch. Das Leben im „Lerchenhof" sei eine Herausforderung, so viele Menschen und unterschiedliche Charaktere! Manchmal habe sie das Gefühl, „dazwischen ausgleichend zu verhandeln". So hilft sie im Alltag an allen Ecken und Enden, vermittelt, tröstet oder spornt andere an. Für sich selbst hat Ruth eine Maxime aufgestellt: „Benutze deine Beine, soviel wie möglich. Laufe, laufe, laufe!" Schon hat sie sich den Mantel übergeworfen und stemmt ihren Rollator gegen den böigen Wind des Spätsommers. „Ich bin im Leben nie Auto gefahren, vielleicht bin ich darum so alt geworden."

Text: Jens-Peter Martens, Soziale Betreuung im Haus „Lerchenhof"

 

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