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Weyhe-Leeste

Haus Lerchenhof

Japanischer Besuch im Haus „Lerchenhof“

zurück zur vorherigen Seite   |   Artikel am 18. März 2013 eingegeben

Außergewöhnlicher Besuch im Haus „Lerchenhof" in Leeste: Die japanische Universitätsprofessorin Mayumi Sato besichtigte gestern die Pflegeeinrichtung, um Eindrücke des deutschen Versorgungs- und Pflegesystem in ihre Heimat mitzunehmen. Sato doziert an der Hosei-Universität in Tokio über die Arbeit bzw. den Umgang mit Senioren und Menschen mit Behinderung. An ihrer Universität werden Altenpfleger im Rahmen eines Studiums ausgebildet.

Neben Ehemann Morio Sato wird Mayumi Sato von Brigitte Stumm mit ins Haus „Lerchenhof" begleitet, die als Übersetzerin dient. Kennengelernt haben sie sich auf der Hochzeit des Ehepaars Sato, auf der die Deutsche Orgel gespielt hat. Zu dem Zeitpunkt war Brigitte Stumm mit einem japanischen Mann verheiratet und gab an einer japanischen Schule Deutschunterricht. Nach dem Tod ihres Mannes kehrte sie nach 18 Jahren zurück nach Brinkum. Dem Ehepaar Sato, das am 19. März ihren 20. Hochzeitstag feiert, ist sie immer freundschaftlich verbunden geblieben.

Im Haus „Lerchenhof", wo das Trio u.a. von Verwaltungskraft Christiane Stöhr begrüßt wurde, interessierte die japanische Professorin insbesondere die Themen Sterbebegleitung und Selbstbestimmung bzw. das Thema Patientenverfügung. Um sich intensiv mit dem Thema Sterbebegleitung auseinanderzusetzen, hatte sie am Morgen bereits den ambulanten Hospizdienst in Leeste besucht, der mit dem Haus „Lerchenhof" eng zusammenarbeitet. Besonders zum Thema Patientenverfügung hatte sie viele Fragen: Hat jeder Bewohner eine Patientenverfügung? Wird der Wille des Bewohners wirklich umgesetzt? Können bzw. dürfen die Bewohner in der Pflegeeinrichtung sterben?

Bei dem Gespräch zeigten sich schnell die kulturellen Unterschiede der beiden Länder. In Japan gäbe es zwar Pflegeeinrichtungen, allerdings würden sie eher einem Krankenhaus als einem Zuhause gleichen. Während die Bewohner im Haus „Lerchenhof" eigene Möbel und ihre Haustiere mitbringen können und in großzügige, helle Zimmer mit eigenem barrierefreien Bad ziehen, kommt der Großteil der Japaner bei Pflegebedürftigkeit in eine Einrichtung, in der sie sich ein Zimmer zu viert teilen müssen. Die Privatsphäre wird nur dann etwas gewahrt, wenn die „Insassen" den Vorhang vor dem Bett zuziehen. „Allerdings", wirft Brigitte Stumm ein, „muss man dabei wissen, dass die Japaner bis vor 50 Jahren auch keine Wände in ihren Wohnungen hatten." Dort kamen eher Raumteiler zum Einsatz, die man hier auch als Paravent bezeichnet. Nichtsdestotrotz sei es keine angenehme, wohnliche Situation. Zum Sterben kämen die Japaner in ein Hospiz oder ein Krankenhaus.

Doch die Einrichtungen in Japan verändern sich zunehmend und werden humaner. Denn die Japaner verehren die älteren Menschen eigentlich, erzählt Mayumi Sato, stellen nun aber gleichzeitig fest, dass sie immer mehr zu einem wirtschaftlichen Problem werden. Die Versorgung der älteren Menschen orientiere sich seit vielen Jahrzehnten an dem westlichen, insbesondere deutschen System. Es gäbe in Japan eine Pflegeversicherung und Pflegestufen, nach denen die Versorgung erfolge. In Japan seien es allerdings sieben Stufen, in Deutschland kennt man die Pflegestufen 1 bis 3. Ein weiterer Unterschied: Während in Deutschland die Pflegequalität jedes Jahr unangemeldet von dem Medizinischen Dienst der Krankenkassen überprüft wird, gibt es in japanischen Einrichtungen nur alle drei Jahre eine Kontrolle, die sich sogar verzögern ließe.

Als Christiane Stöhr beim Thema Patientenverfügung von Schwierigkeiten bei der Umsetzung sprach, wurde Mayumi Sato klar, dass die Umsetzung dieser Selbstbestimmung in Japan nicht einfach werden würde. „Die Japaner sind ein Gruppenvolk", sagt sie. „Sie passen sich lieber an als ihren eigenen Willen durchzusetzen."

Beim anschließenden Rundgang durch das Haus „Lerchenhof" kam das Ehepaar Sato aus dem Staunen nicht mehr heraus. Die hellen Wohnküchen, die zu gemeinschaftlichen Aktivitäten einladen, die gemütlichen Sitzecken, die zum Teil mit Möbelstücken aus den Jugendzeiten der Bewohner dekoriert sind, sowie die vielfältige Freizeitgestaltung für die Bewohner hinterließen sichtlich positive Eindrücke.


Morgen trifft das Trio den Seniorenbeirat im Stuhrer Rathaus. Anschließend besichtigen sie das Haus „Am Deichfluss" in Stuhr-Moordeich. Wenn Mayumi Sato mit ihrem Ehemann nach ein paar Urlaubstagen in Berlin nach Tokio zurückkehrt, wird sie einen Vortrag über ihre Erkenntnisse in einer Sozialarbeiterorganisation halten. Zudem möchte sie ihren Studenten von ihren Erkenntnissen berichten. Das Angebot der Residenz-Gruppe Bremen, ihre Studenten in den hiesigen Pflegeeinrichtungen ein Praktikum absolvieren zu lassen, ließ die Professorin vor Freude strahlen. Von einer Sprachbarriere wollte sie nichts wissen. Ihre Studenten würden für das Praktikum extra deutsch lernen, versichert sie.

 

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